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Tierheimhund vs. Zuchthund

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Ihr habt Euch dazu entschieden, einen Vierbeiner bei Euch aufzunehmen? Wie schön! In diesem Artikel möchte ich auf die beiden gängigsten Möglichkeiten eingehen, woher ihr einen Hund adoptieren könnt. Entweder aus dem Tierheim oder von einem Züchter. Ehrlicherweise muss ich vorab noch sagen, dass dieser Beitrag eine leichte Tendenz zu der Option, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren haben könnte ;-) Ganz wichtig: Entscheiden könnt und sollt ihr letztendlich aber ganz allein. Da sollte Euch niemand reinreden...

Hunde vom Tierschutz

Persönlich liegt mir die Option, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, natürlich sehr am Herzen. Daher möchte ich zuerst jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund (oder eine Katze oder auch ein anderes Tier wie z. B. einen Nager) zuzulegen ans Herz legen, vorab bei den umliegenden Tierheimen und bei Tierschutzorganisationen vorbeizuschauen. Vielleicht wartet genau dort der passende Vierbeiner auf euch.

 

Im Tierheim gibt es große Hunde und kleine Hunde. Es gibt Welpen und Senioren. Es gibt aktive Hunde und ruhige Hunde. Es gibt kunterbunte Mischlinge aber genauso auch Rassehunde. Hunde mit langem Fell oder mit kurzem Fell, mit Schlappohren oder mit stehenden Ohren, einfarbige und kunterbunte… Ich bin überzeugt, es gibt für jeden Topf den passenden Deckel. Vielleicht muss man ein bisschen suchen oder auch ein bisschen abwarten, bis der Richtige dabei ist. Aber die Adoption eines Vierbeiners sollte ohnehin keine Blitzaktion sein, sondern wohlüberlegt und gut durchdacht sein.

 

Ich möchte hier niemandem etwas aufzwingen. Aber es ist wirklich ein unbeschreiblich schönes Gefühl, einem Tier (das bisher vielleicht noch nicht viel Schönes in seinem Leben hatte) die Chance auf ein neues Zuhause und die Perspektive für ein besseres Leben zu bieten. Die einen werden dir vom ersten Tag an dankbar sein und dich mit ihrer Liebe überschütten, die anderen haben vielleicht sehr schlimme Dinge erlebt und brauchen erst etwas Zeit, um sich einzugewöhnen und neues Vertrauen zu fassen.

Vorurteile ...

Wie oft habe ich schon Sätze wie „Die Hunde, die im Tierheim landen, sind doch alle Problemhunde. Die landen ja nicht grundlos im Tierheim.“ gehört. Dabei lässt sich das so pauschal nicht sagen. Natürlich gibt es im Tierheim schwierige Hunde, deren Besitzer vielleicht nicht mehr mit ihnen zurechtgekommen sind. Allerdings trifft da oftmals aber nicht den Hund die Schuld daran. Und auch „schwierigere Fälle“ können sich (z. B. mit der Unterstützung eines Hundetrainers) toll entwickeln. Man muss ihnen eine Chance geben wollen und bereit sein, viel Zeit, Einfühlungsvermögen und Geduld zu investieren. Es ist ja klar, dass ein Hund, der von Menschen misshandelt wurde erst langsam lernen muss, dass eine Menschenhand ihm nicht nur Schmerz, sondern auch Liebe und Streicheleinheiten zufügen kann. Ich finde es ohnehin erstaunlich, dass Hunde, denen ein Mensch bisher nur Leid zugefügt hat tatsächlich eines Tages überhaupt wieder Vertrauen in die Menschen fassen können.

 

Wenn man von vorn herein weiß, dass man keinen schwierigen oder sehr ängstlichen Hund möchte und die Zeit, Geduld und Verantwortung nicht investieren kann oder möchte, kann man sich ja von vorn herein für einen einfachen „Anfänger-Hund“ entscheiden. Die Auswahl in den Tierheimen ist groß.

 

Auch den Satz „Die Hunde aus dem Tierheim haben Krankheiten, vorallem die Hunde aus den südlichen Ländern sind doch alle krank.“ habe ich leider schon des Öfteren gehört. Auch das kann man pauschal nicht sagen. Natürlich gibt es im Tierheim kranke Hunde. Manchmal werden auch Hunde wegen ihrer Krankheiten und den damit verbundenen hohen Tierarztkosten einfach am Tierheimzaun angebunden. Und es gibt auch einige Hunde, die aufgrund ihrer schlimmen Erlebnisse (Misshandlung, Unfälle, etc. ) vielleicht nie wieder komplett gesund werden können. Genauso kann es sein, dass ein Hund aus südlichen Ländern an Leishmaniose erkrankt ist. Das ist aber weder pauschal der Fall, noch heißt das, dass die Krankheit zwangsläufig ausbrechen muss und genauso wenig bedeutet das, dass sie nicht behandelbar ist. Wir selbst haben unseren Hund auch aus Spanien und er ist bis jetzt gesund. Was im Laufe eines Hundelebens noch kommt, lässt sich leider bei keinem Tier sagen. Ein Hund von einem Züchter, der mit den besten genetischen Voraussetzungen geboren wurde, kann aber genauso krank werden.

 

Wenn man für sich weiß, dass man keinen kranken Hund möchte oder die Verantwortung bzw. Kosten für ein krankes Tier nicht tragen kann oder möchte, kann man sich ja für einen gesunden Hund entscheiden.

 

Viele Hunde im Tierheim sind aber alles andere als schwierig, schwer vermittelbar oder krank. Oft kommt es vor, dass total tolle und unkomplizierte Hunde z. B. aufgrund von Trennungen, Allergien, Tod ihres Besitzers oder da sich die Lebensumstände seiner Besitzer kolossal geändert haben unverschuldet im Tierheim abgegeben werden. Ein etwas älterer kleiner Hund, der sein bisheriges Leben wohlbehütet bei einer Omi verbracht hat und dessen Frauchen dann plötzlich verstirbt und er daher ins Tierheim gebracht werden muss, wird dies nur schwer verkraften. Genauso versteht ein Familienhund die Welt nicht mehr, wenn seine Familie ihn aufgrund einer Trennung und dem daraus resultierenden Zeitmangel abgeben muss.

 

Ein sehr gutes Beispiel ist auch unser Kai-Uwe. Wir haben ihn im Alter von 2,5 Jahren zu uns geholt. Er wurde in Spanien auf der Straße gefunden und von der Polizei in ein Tierheim in Andalusien gebracht. Wie er auf der Straße gelandet ist und was er dort erlebt hat, weiß keiner. Aber eines steht fest: Irgendjemand hat tolle Arbeit geleistet und ihn wunderbar erzogen. Er weiß genau, wie man sich zuhause benimmt, er ist sanft und rücksichtsvoll beim Spielen, fährt ohne Probleme Auto und kann sogar von Anfang an problemlos alleinbleiben. Mit Menschen scheint er zum Glück keine negativen Erfahrungen gemacht zu haben, denn er geht prinzipiell immer aufgeschlossen und freudig auf alle Menschen zu. Bei anderen Hunden bin ich mir nicht sicher. Gerade beim Huskys, Schäferhunden oder anderen Hunden mit stehenden Ohren scheint er schlechte Erfahrungen gemacht haben. Da stellt sich das Nackenfell schon von Weitem. Aber das ist eine Kleinigkeit mit der man gut umgehen kann. Kai-Uwe ist ein gutes Beispiel für einen absolut unkomplizierten Anfänger-Hund – trotz, dass er aus dem Tierheim kommt.

 

Neben der Adoption eines Hundes aus dem Tierheim besteht auch die Möglichkeit, einem Hund aus einer Tötungsstation, das Leben zu retten. Im Gegensatz zu den Hunden im Tierheim läuft den Hunden in der Tötungsstation jeden Tag mehr und mehr die Zeit davon. Oftmals gilt: Wer innerhalb von 2 bis 4 Wochen (von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich) nicht abgeholt wird, dessen Leben endet dort. In den Tötungsstationen findet man nicht nur alte, kranke, verletzte und verwahrloste Hunde oder Mischlinge. Dort warten fast alle Hunderassen vom Schäferhund, Neufundländer, Husky, Boxer oder Pudel, sowie Welpen aller Rassen. Das kommt daher, dass neben den Streunern, die aktiv auf den Straßen eingesammelt werden leider auch viele Hundebesitzer einfach selbst ihre Tiere dort abgeben, statt sie in ein Tierheim zu bringen.

 

Tötungsstationen gibt es in Spanien, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Zypern,…Eigentlich in fast allen südlichen Ländern. Sabine Peschke rettet regelmäßig Hunde aus den Tötungsstationen. Auf ihrer Facebook-Seite könnt ihr schauen, ob ein passender Vierbeiner für Euch dabei ist:

 

https://de-de.facebook.com/sabine.peschke.7777

Ein Hund vom Tierschutz - Fazit

Eine Chance auf ein neues schönes Zuhause und die Perspektive auf ein besseres Leben als im Tierheim haben all diese Hunde verdient. Die unkomplizierten, die schwierigen, die ängstlichen, die Welpen und die Senioren und auch die kranken Hunde. Natürlich geht es den Hunden im Tierheim nicht pauschal schlecht. Die Tierpfleger geben sich größte Mühe. Aber da die Tierheime so maßlos überfüllt sind, können sie den vielen Fellnasen einfach nicht gerecht werden. Es fehlt an Beschäftigung, Liebe, Familienanschluss und Kuscheleinheiten. Und jeder Hund verkraftet das Tierheim anders. Manche verkraften es ganz gut, manche leiden sehr und wieder andere sind so unterwürfig, dass sie von den anderen Hunden gemobbt werden und total untergehen. Verdient hat das kein Hund. Kein Welpe hat es verdient, im Tierheim aufwachsen zu müssen und kein Hundeopi/keine Hundeomi hat es verdient, den Lebensabend dort verbringen zu müssen.

Hunde vom Züchter

Mir ist sehr wichtig noch zu sagen, dass jeder selbst entscheiden soll, woher er seinen Hund holt. Ich möchte niemanden verurteilen, der sich einen Hund beim Züchter kauft. Teilweise kann ich Beweggründe für einen Züchter sogar nachvollziehen (wie z. B. wissen zu wollen, woher der Hund kommt, wer die Elterntiere sind und ob er evtl. mit Erbkrankheiten vorbelastet sein könnte). Das weiß man bei einem kunterbunten Mix aus dem Tierheim natürlich nicht.

 

Wichtig finde ich dabei nur, dass man keine dubiosen Hundehändler (oftmals z. B. aus dem Osten Europas) unterstützt, die Hunde unter schlechten Bedingungen züchten und aufwachsen lassen und sie dann zum Schnäppchenreis im Internet anbieten. Bei den Schnäppchen-Angeboten sollte man stutzig werden und erahnen können, dass da etwas nicht stimmen kann. In solchen Zuchtstätten haben die Elterntiere oft in ihrem Leben noch kaum Tageslicht gesehen und werden rein zum Decken und Gebären unter schlechten Umständen gehalten. Solche Zuchtstätten sollte man unter keinen Umständen unterstützen.

 

Der Züchter sollte auf Euch einen guten und seriösen Eindruck machen. Schaut euch genau an, wo und wie die Hunde untergebracht sind, ob sie sauber gehalten werden, ob sie sich sozialisiert und Menschen gegenüber aufgeschlossen verhalten. Sind die Hunde in die Familie integriert oder leben sie abgeschirmt? Wenn Euch ein Züchter die Welpen nur kurz zeigt oder gar die Elterntiere vorenthält, euch zu einer schnellen Entscheidung drängt und nur schnell das Geld haben möchte, scheint etwas faul zu sein.

 

Ein guter und seriöser Züchter wird sich Zeit nehmen Euch kennenzulernen, herumzuführen und Euch die Welpen und die Elterntiere inklusive deren Unterbringung zu zeigen. Einen guten Züchter werdet ihr auch daran erkennen, dass er seine Hunde nur in gute Hände geben wird. Er verlangt für seine Hunde zwar einen relativ hohen Preis, doch das ist auch berechtigt. Die artgerechte Aufzucht eines Wurfes kostet viel Geld - Zuchtpapiere, Zuchtlizenz, Welpennahrung, Sozialisierung, Tierarztbesuche – das ist nicht gerade günstig. Dafür kann man dann aber auch davon ausgehen, dass der Hund aus guten Verhältnissen kommt und in seinem bisherigen Leben bestmöglich aufgezogen und versorgt wurde.

Ein Hund vom Züchter - Fazit

Das alles ist allerdings keine Garantie dafür, dass der Hund ein gesundes, langes Leben haben wird und bereits mit der Muttermilch die Grundkommandos „Sitz, Platz und Bleib“ aufgenommen hat. Auch ein Hund vom Züchter kann eine Wundertüte sein. Leider weiß man bei keinem Hund genau, ob eine Krankheit oder eine spezielle Eigenheit in ihm schlummert. Und erziehungstechnisch habt sowieso nur ihr allein es in der Hand, was aus Eurem Vierbeiner wird. Egal, ob er von einem sehr guten Züchter oder aus dem Tierheim kommt. Ein Hund ist einfach immer ein Stück weit eine Wundertüte ;-)

Meine persönliche Meinung

Persönlich möchte ich die Hundezucht nicht unterstützen. Zum einen aufgrund meiner Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Tierheim und weil ich fest der Meinung bin, dass es im Tierheim so viele liebe Hundeseelen gibt, die sich ein Zuhause mehr als verdient haben. Da bin ich einfach zu vorbelastet und könnte mir kein Hundebaby vom Züchter kaufen während ich weiß, dass so viele Hunde im Tierheim sitzen und auf die Chance auf ein besseres Leben warten. Ich bin überzeugt, dass es im Tierheim für jeden Topf den passenden Deckel gibt.

 

Zum anderen halte ich nicht sonderlich viel von Hundestammbäumen/ Abstammungsurkunden, bestimmten Blutlinien oder Punkten, die ein Hund aufgrund seines „perfekt der Rasse entsprechenden“ Aussehens für eine bestimmte Kopfgröße oder einen bestimmten Schwung der Rute bekommt. Für mich zählen der Charakter und die Einmaligkeit. Wenn ein Ohr größer ist als das andere, der Hund einen kurzen oder gar keinen Schwanz hat oder aufgrund irgendeines anderen optischen Kriteriums nicht den Idealen entspricht, finde ich das umso schöner. So hat man ein wunderschönes Unikat zuhause. Unser Kai-Uwe hat für einen Labbi auch einen recht kleinen und schmalen Kopf und „zu langes und lockiges Fell“ am Rücken. Das kommt vermutlich daher, dass eine Mischung aus Labrador und Golden Retriever in ihm steckt. Von seiner Zeit auf der Straße hat er noch heute eine kleine Narbe auf der Schnauze und einige kahle Stellen im Fell, die nicht mehr zuwachsen werden. Aber das macht ihn einmalig und genauso lieben wir ihn von ganzem Herzen. Ganz nach dem Motto

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tine (Dienstag, 02 Oktober 2018 20:42)

    Ein sehr wichtiges Thema, dass du gut beleutet hast! Es gibt so viele Mythen zu dem Thema, dass diese Informationen wirklich geteilt werden sollten!