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Hundeerziehung

Sucht man im Internet nach einem Tipp zu einem konkreten Thema in der Hunde-erziehung (z. B. Stubenreinheit), findet man eine Vielzahl an Ratschlägen, Meinungen, Vorgehensweisen und "Expertentipps". Beim Thema Hundeerziehung scheiden sich definitiv die Geister - die einen machen es so, die anderen so und meist ist nur die eigene Meinung die einzig Richtige.

 

Mir persönlich geht es immer wieder so, dass ich eine Trainingsmethode und die Begründung dazu lese und sich die Vorgehensweise für mich total logisch und schlüssig anhört. Dann lese ich auf einer anderen Seite einen weiteren Trainingsansatz, der zwar komplett anders ist aber auch nachvollziehbar begründet ist. Dieser klingt daher genauso sinnvoll. Und schon fragt man sich… Wie mache ich es denn nun am besten? Ich würde sagen, dass es in der Hundeerziehung kein „richtig“ und kein „falsch“ gibt. Man muss einfach versuchen, im Dschungel der verschiedenen Methoden und Theorien die Variante zu finden, die am besten für den eigenen Vierbeiner geeignet ist. Für Deinen Hund hat das Futter einen sehr hohen Stellenwert? Dann arbeite mit Leckerchen. Sind Lob und Streicheleinheiten für Deinen Hund das Größte? Dann belohne ihn damit statt mit Leckerchen. Jeder Hund ist anders und jeder Hund benötigt ein individuelles Training und eine individuelle Erziehung. Ganz wichtig: Behandle deinen Hund immer mit Respekt! Vorallem mit dem Einsatz von Strafreizen sollte man sehr vorsichtig umgehen. Ich persönlich halte nichts von Trainingsansätzen, die mit der Bestrafung arbeiten. Aber das ist meine persönliche Meinung. Mit Lob und Leckerchen als Trainingsmotivation und dem Bestärken von Positiv-Verhalten komme ich bei Kai-Uwe viel weiter als mit einer Bestrafung.

 

Wie lernt ein Hund?

Ein Hund lernt, weil er einen Vorteil aus einer Erfahrung zieht (Beispiel: Ich gebe das Pfötchen und bekomme dafür ein Leckerli). In der Regel braucht ein solcher Lernprozess mehrere Wiederholungen, bis er verinnerlicht und jederzeit abrufbar ist. Hat man also ein Kommando oft genug wiederholt, stellt der Hund die Verknüpfung her, dass sich aus der Ausführung des Kommandos ein Vorteil für ihn ergibt (z. B. Lob oder ein Leckerchen).

 

Was muss ein Hund können?

Ich finde, jeder sollte für sich selbst entscheiden, was sein Hund können sollte und was ihm bei der Hundeerziehung wichtig ist. Manche Menschen und Hunde haben unglaublich viel Freude am Erarbeiten von neuen Tricks. Sie lernen leicht und haben Spaß am Training und ihr Hund kann 25 verschiedene Kunststückchen. Andere sagen, dass es ihnen absolut reicht, wenn er Hund folgt und die grundlegenden Dinge beherrscht.

 

Für mich sollte mein Hund die Grundkommandos Sitz, Platz, Bleib und Komm her beherrscht. Drinnen wie draußen. Auch eine gute Leinenführigkeit finde ich sehr wichtig. Mehr als diese 5 Basics muss er nicht zwingend können. Die Kleinigkeiten, die ich ihm sonst beigebracht habe / oder immer wieder beibringe (Tricks wie Pfötchen geben etc.) sind nur Spielereien. Sie sollen der Auslastung dienen und unsere Bindung stärken. Denn gemeinsame Erfolge verbinden :-)

 

Im puncto Verhalten ist mir wichtig, dass wir Kai-Uwe entspannt alleine Zuhause lassen können, ohne ein schlechtes Gefühl haben zu müssen oder befürchten zu müssen, dass er die Einrichtung zerlegt oder sich lautstark bemerkbar macht. Und er sollte gewisse Regeln und Grenzen kennen. Das ist für das Zusammenleben mit einem Hund sehr wichtig. Du bist sein Rudelführer, gibst die Richtung vor und stellst die Regeln auf - drinnen und draußen. Wenn der Hund keine Regeln und Grenzen bekommt kann es passieren, dass er seinem Menschen nicht zutraut, die Dinge für ihn zu regeln und er deshalb die Führung übernimmt. Das kann zu Problemen führen, da es den Hund oftmals überfordert.

 

Fehler in der Erziehung

Es gibt ein paar kleine aber sehr entscheidende Dinge, auf die man bei der Erziehung und beim Training besonders achten sollte. Leider werden die folgenden Kleinigkeiten gerne übersehen.

 

Häufige Wiederholungendes Kommandos

Ein oft gemachter Fehler ist das zu häufige Rufen eines Kommandos. Auch ich habe diesen Fehler anfangs begangen. Ich habe das vorallem beim Kommando „Sitz“ gemacht. Wenn ich Kai-Uwe das Kommando gegeben habe und er es ist ausgeführt hat, habe ich es sofort wiederholt. Für ihn muss es sich so angehört haben: „Sitz. Sitz. Sitz.“ Das kann entweder dazu führen, dass der Hund denkt, das Kommando heißt nicht „Sitz“ sondern „Sitz. Sitz. Sitz.“ Und dass er sich erst nachdem er das Wort dreimal hintereinander gehört hat hinsetzen soll. Oder es kommt dazu, dass das Kommando für ihn an Bedeutung verliert. Es ist daher besser, das Kommando nur einmal zu geben. Führt er es nicht aus, sollte besser eine Konsequenz folgen als es mehrfach zu wiederholen. Fazit: Es reicht ein Kommando einmal zu sagen, maximal zweimal aber keinesfalls mehr, denn sonst nutzt sich das Kommando mehr und mehr ab.

 

Fehlende Konsequenz

Auch beim Thema Konsequenz schleichen sich gerne Fehler in der Erziehung ein. Bleiben wir beim Kommando „Sitz“. Dein Hund befolgt den Befehl und setzt sich. Du drehst dich kurz um und während du nicht hinschaust, steht er wieder auf. Wenn das passiert, solltest du ihn direkt wieder hinsitzen lassen. Denn sobald er merkt, dass du die gegebenen Kommandos nicht mit Konsequenz verfolgst und er einfach wieder aufstehen kann, wenn er keine Lust mehr hat zu sitzen wird er das schnell bemerken und künftig einfach sein eigenes Ding durchziehen.

 

Das falsche Timing

Genauso wichtig wie die Konsequenz ist das richtige Timing beim Belohnen. Sobald das gegebene Kommando wie gewünscht ausgeführt wurde, muss Dein Hund belohnt werden. Lässt du nur 5 Sekunden zwischen dem ausgeführten Kommando und der Belohnung verstreichen, wird Dein Hund den Zusammenhang zwischen Kommando und Lob nicht mehr verknüpfen können. Daher kommt es wirklich auf wenige Sekunden an. Nehmen wir nochmal das Kommando „Sitz“. Dein Hund setzt sich hin und du suchst nach einem Leckerli, weil du ihn belohnen möchtest. Während du suchst, legt sich Dein Hund hin. Endlich hast du ein Leckerli gefunden und belohnst ihn. In dem Moment wird Dein Hund Folgendes lernen: Wenn ich mich hinlege, werde ich belohnt. Und schon hast du durch das falsche Timing ein Fehlverhalten gefördert, weil Dein Hund aufgrund des zeitversetzten Belohnens eine falsche Ausführung mit dem Lob verknüpft hat (liegen statt sitzen).

 

Widersprüchliche Körpersprache und fehlende Ruhe

Hunde achten mehr auf unsere Körpersprache als auf unsere Worte. Schon die Wölfe verständigen sich untereinander hauptsächlich über Mimik und Gestik. Daher achten auch unsere Haushunde genauestens auf unsere Mimik und Gestik. Beim Kommando „Sitz“ haben wir zum Beispiel ein Handzeichen mit eingebaut. Sobald wir das Kommando geben, heben wir auch den Zeigefinger in die Luft. Kai-Uwe hat das unglaublich schnell verstanden. Er setzt sich mittlerweile auch hin, wenn ich nur den Zeigefinger hebe und ihn intensiv anschaue. Das Wort „Sitz“ ist dabei gar nicht mehr erforderlich. Änderst du das Handzeichen und zeigst Deinem Hund beim Kommando „Sitz“ auf einmal die flache Hand, wird er höchst irritiert sein und das Kommando höchstwahrscheinlich nicht richtig ausführen. Deshalb ist es sehr wichtig, bei den Sichtzeichen zu bleiben, für die man sich beim Einüben des Kommandos entscheiden hat.

 

Dein Hund beobachtet dich ganz genau. Er weiß, wie es dir geht und wie du dich fühlst. Wenn du innerlich gerade verärgert oder unruhig bist, wird Dein Hund das ganz genau spüren. Die Unruhe wird sich auf ihn übertragen und es wird im Training nicht rund laufen. Auch wenn ihr nicht bei der Sache seid, wird Euer Hund das schnell bemerken und auch nicht konzentriert beim Training sein.

 

Fazit

Auch wenn die Meinungen stark auseinander gehen.. Mach es so, wie du es für richtig hältst und wie es zu deinem Hund passt. Informiere dich und lies dich ein und filtere die für Euch am besten geeignete Lösung heraus.

 

Hundeerziehung kann wirklich schwierig sein, denn der Teufel steckt im Detail. Bei der Hundeerziehung ist es sehr wichtig, konsequent und genau zu sein. Das richtige Timing ist entscheidend.

 

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