Meine Gedanken zum Thema Zweithund

Immer und immer wieder steigt in mir der Wunsch nach einem zweiten Hund auf. Und ich weiß auch ganz genau, woher das kommt. Durch die Suche nach einem passenden Vierbeiner habe ich unzählige Tierschutzseiten abonniert, die mich jeden Tag mit traurigen Hundeseelen, die dringend eine Zuhause suchen auf dem Laufenden halten. Und hin und wieder ist eine Fellnase dabei, bei der ich mir denke „Wäre das nicht die perfekte Hundeschwester für unseren Kai-Uwe?“. Was Kai-Uwe dazu sagen würde? Ich glaube, auch das weiß ich ganz genau. Er ist durch und durch ein glücklicher Einzelhund, der jede Aufmerksamkeit seiner Menschen aufsaugt und in vollen Zügen genießt. Diese Annehmlichkeiten mit einem anderen Hund teilen zu müssen, würde er im ersten Moment sicher nicht so toll finden. Aber Kai-Uwe ist auch ein ausgeglichener und friedlicher Hund, der konfliktfrei mit Artgenossen zusammenleben kann. Als wir einmal einen Gasthund über Nacht bei uns hatten, hat sich schnell gezeigt, dass er erst etwas irritiert ist, dann aber sehr gut mit der für ihn ungewohnten Situation umgehen kann – vorausgesetzt man gibt ihm das Gefühl, dass er nicht zu kurz kommt.

 

Beim Thema Zweithund gehen die Meinungen der Hundehalter auseinander. Die einen sagen, einer genügt mir völlig, damit bin ich zeitlich und finanziell ausreichend ausgelastet. Die anderen meinen, einer alleine ist doch langweilig, zwei machen viel mehr Spaß. Und vor allem, sie können sich miteinander beschäftigen und spielen, wenn man mal keine Zeit hat. Aber ist das wirklich so? Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema und möchte in diesem Beitrag meine Gedanken zum Thema Zweithund mit Euch teilen und auch versuchen, mit Irrtümern aufzuräumen und realistische Vorstellungen schaffen. Denn die Anschaffung eines Zweithunds wird leider oftmals unterschätzt und endet daher manchmal traurig mit der Abgabe eines Hundes im Tierheim. Ein Zweithund ist eine weitaus größere Entscheidung, als ein Ersthund und muss gründlich durchdacht und nicht von heute auf morgen gefällt werden.

 

Du bist alles, was Dein Hund hat

Für Deinen Hund bist du seine Welt. Sein Ein und Alles, sein Lebensmittelpunkt, seine Bezugsperson. Er ist von dir, von seinem Menschen, abhängig. Wir Menschen entscheiden, wann er sein Futter bekommt, ob er ein warmes kuscheliges Körbchen hat, versorgen ihn, wenn es ihm nicht gut geht und so weiter. Er kann nicht zur Fleischtheke gehen und sein Futter kaufen und sich abends mit seinen Hundefreunden treffen. Euer Hund kann demzufolge nicht entscheiden auszuziehen, wenn sich die Umstände ändern und es ihm bei Euch nicht mehr gefällt. Er ist auf euch angewiesen. Mit der Entscheidung für einen Zweithund könnt ihr seine kleine heile Welt komplett aus dem Gleichgewicht bringen.

 

Wie die Zusammenführung laufen kann

Vielleicht habt ihr einen Hund, der die Gesellschaft eines Artgenossen direkt oder schon nach kurzer Zeit super findet und bei dem alles reibungslos klappt. Er freut sich über den Familienzuwachs und beide Hunde werden ein Herz und eine Seele. Aber es kann auch anders kommen… Vielleicht wird Euer Hund zunächst  irritiert sein und den neuen Hund als Konkurrent und Eindringling sehen. Ich habe viel zum Thema recherchiert und gelesen, dass man grob zwischen 2 Problem-Hundetypen unterscheiden kann: Dem Offensiven und dem stillen Beobachter.

 

Problem-Hundetyp 1: Der Offensive

Manche Hunde werden den aus Ihrer Sicht ungebetenen Gast erst einmal lauthals aus ihrem Reich verbellen. Meine Mama! Mein Zuhause! Meine Spielsachen! Mein Futter! Ich werde nichts teilen! Fort mit dir! Diese Reaktion ist ganz normal. Anfangs bedeutet das nicht, dass Euer Hund schwierig oder aggressiv ist. Für Hunde geht es in erster Linie um Ressourcen (wie um die oben genannten Futter, Menschen, Spielsachen, Körbchen,…). Er sieht im anderen Hund einen Eindringling und einen Konkurrenten. Wenn dieses Verhalten länger anhält und der Hund dem anderen gegenüber über längere Zeit aggressiv auftritt, kann das auf einen Problemhund hindeuten. Für ihn beginnt ein Kampf um sein Hab und Gut und das zeigt er dem anderen auch. Er fühlt sich gezwungen, zu verteidigen, was aus seiner Sicht ihm gehört und er wird auch mit ihm um seine Stellung in der Familie kämpfen.

 

Problem-Hundetyp 2: Der Beobachter

Andere Hunde warten ab und beobachten. Sie versuchen aber auch, ihre Ressourcen zu sichern und ihre Stellung in der Familie zu erhalten. Es kann passieren, dass es für Euch so wirkt, als würden beide Hunde friedlich zusammenleben. In Wirklichkeit hat sich aber nur ein künstlich erzwungenes Rudel gebildet. Oft entwickeln diese Hunde dann im Stillen Probleme, die sich erst später durch Stressanzeichen zeigen (z. B. Kratzen, Gähnen oder Schütteln). Auch ein strenger Geruch oder Zwangverhalten (Jagen des eigenen Schwanzes, Anknabbern von Körperteilen) können solche Anzeichen sein.

 

Die größten Irrtümer

Viele Hundeliebhaber denken sich: Was ist besser als ein Hund? Genau. Zwei Hunde. Leider wird das Thema Zweithund immer wieder verharmlost und heruntergespielt. So entstehen schnell falsche und unrealistische Vorstellungen. Fakt ist: Zwei Hunde sind einfach eine andere Hausnummer als ein Hund. Ganz egal,  was Euch erzählt wird. Die häufigsten Irrtümer habe ich Euch hier zusammengefasst und widerlegt.

 

Ein Zwei­thund läuft doch so neben­her.

Leider hört man diese Aussage sehr oft und leider unterschätzt man daher den zeitlichen Aufwand, den ein zweiter Hund mit sich bringt. Ein zweiter Hund läuft nicht ein­fach neben­her, er bedeutet dop­pelt so viel Arbeit und dop­pelt so viel Zeitaufwand. Er verändert das Leben kom­plett. Im Optimalfall kann man täglich problemlos mit beiden Hunden spazieren gehen (vorausgesetzt sie hören gut und sind leinenführig). Trotzdem kann es vorkommen, dass einer von beiden krank wird und schon muss man getrennt spazieren gehen. Sind die Hunde sehr unterschiedlich, muss mit einem evtl. mehr trainiert werden als mit dem anderen. Und jeder hat im Alltag mal eine Situation, in der er irgendwo hin muss. Ein Fest mit der Familie, ein Restaurantbesuch, ein Grillabend bei Freunden etc….Einen Hund kann man meist noch ganz gut mitnehmen, doch bei Zweien wird es manchmal schon etwas schwieriger.

 

Ob man mit einem oder zwei Hunden raus geht, wo ist da der Unterschied?

Das macht einen sehr großen Unterschied. Angefangen beim Spazieren an der Leine. Um entspannt mit zwei Hunden an der Leine gehen zu können, sollten sie beide leinenführig sein. Das bei beiden zu erreichen, ist manchmal schon ein etwas längerer Weg. Und dann ist da noch die Sache mit dem Leinenpöbeln… Unser Kai-Uwe macht das sehr gerne. Wenn es blöd läuft, würde sich ein zweiter Hund diese Eigenart abgucken und schon hat man zwei Stänkerbacken an der Leine. Schön ist das nicht. Auch ohne Leine ist es nicht unbedingt einfach. Der eine läuft nach rechts, der andere nach links. Der eine rennt nach vorne, der andere schnuppert intensiv 20 Meter weiter hinten und trödelt. Während der eine etwas Essbares gefunden hat und man sich daher mit ihm beschäftigt, macht der andere dann einen anderen Blödsinn und fängt vielleicht an, sich im Güllefeld zu wälzen, weil er sich unbeobachtet fühlt. Auch das Abrufen (bei entgegenkommenden Autos, Radfahrern oder Joggern) von zwei Hunden, die höchstwahrscheinlich in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind, sollte nicht unterschätzt werden.

 

Ist der erste Hund erzogen, erzieht sich der zweite mit. Der guckt sich alles beim Anderen ab.

Bestimmt schaut sich der Zweithund so Einiges beim Ersten ab. Aber ganz oft sicherlich nicht das, was man sich wünscht. Man sollte sich einfach mal vorstellen, dass sich der Zweithund im schlimmsten Fall alle Prob­lem­chen und Eige­narten des Ersthun­des abgucken könnte und dann überlegen, ob man damit klarkommen würde. Bei einem Hund ist die Macke im ersten Moment vielleicht nur eine Kleinigkeit. Wenn aber beide Hunde gleichzeitig eine solches Verhalten an den Tag legen, kann es schon anders aussehen. Einen Hund kann man vielle­icht ein­fan­gen, aber zwei? Schwierig. Zwei Hunde zu erziehen und zu beschäfti­gen erfordert eine Menge Struk­tur, Konsequenz und Übung. Wo man vielle­icht bei einem Hund mal ein Auge zudrücken würde und auch kön­nte, so hat man mit zwei Hunde keine andere Wahl mehr. Der Rück­ruf muss sitzen, anson­sten hat man ein Prob­lem.

 

Grund-Voraussetzungen

Bevor die Entscheidung für einen Zweithund getroffen wird, sollten diese grundlegenden Voraussetzungen auf jeden Fall erfüllt sein. Ansosten kann es mit einem harmonischen Zusammenleben schwierig werden.

 

Der Ersthund entscheidet

Der erste Hund darf entscheiden, wer einzieht. Wenn der erste Hund keine Artgenossen duldet und lieber der einzige bleiben möchte, ist das sein gutes Recht. Und wenn ihr euch einen Zweithund ausgesucht habt, den der Ersthund partout nicht riechen kann (aus welchen Gründen auch immer) dann respektiert das und sucht weiter nach dem passenden Zweithund.

 

Der Ersthund ist ein Vorbild

Der erste Hund sollte gut erzogen sein und so dem Zweithund ein Vorbild sein. Er sollte die Grundkommandos beherrschen. Der zweite Hund wird sich am ersten ori­en­tieren. Setzt sich der Ersthund hin und wartet auf sein Abendessen kann es sein, dass der Zweithund dies automatisch auch tut. Super. Aber es kann eben auch sein, dass sich der Zweithund ein Negativverhalten beim Ersthund abschaut. Pöbelt der Erste an der Leine kann es gut sein, dass der Zweite dieses Verhalten auch annimmt.

 

Außerdem sollte der Ersthund leinenführig sein. Man sollte es nicht unterschätzen, mit zwei Hunden an der Leine zu gehen. Wenn ein Hund nicht leinenführig ist, kann das zu einem permanenten Leinengewirr führen. Wenn aber beide nicht leinenführig sind, ist ein gemeinsamer Spaziergang beinahe unmöglich.

 

Grundsatzfrage: Ist mein erster Hund so gut erzo­gen, dass sich der zweite Hund an ihm ori­en­tieren kann und kann ich damit leben, wenn der zweite Hund Baustellen des ersten Hun­des übernehmen würde?

 

Das richtige Alter

Der Ersthund sollte nicht zu jung sein. Ist ganz frisch ein Welpe oder Junghund eingezogen, der noch die Welt entdecken will und gelegentlich Flausen im Kopf hat, dann tut man sich keinen Gefallen, direkt einen zweiten Hund zu holen. Zwei Welpen oder zwei Junghunde daheim sind definitiv eine große Herausforderung und bedeuten einfach ein gewisses Chaos.

 

Allerdings sollte der Ersthund auch nicht zu alt sein. Ab etwa 9 Jahren gilt ein Hund als „alt“. Sie werden ruhiger, spielen weniger und halten öfter ein Schläfchen. Einem Hund in diesem Alter, der eher seine Ruhe haben möchte wird man keinen Gefallen tun, ihm einen Welpe oder einen Junghund vor die Nase zu setzen, der ihn die ganze Zeit zum Spielen animiert und im schlimmsten Fall bedrängt und nervt. Entweder man entscheidet sich für einen gleichaltrigen, ruhigen Hund oder lässt es im Zweifel lieber ganz.

 

Grundsatzfrage: Ist mein Hund über­haupt bereit für einen zweiten Hund?

 

Zeitfaktor

Ein zweiter Hund läuft nicht ein­fach neben­her. Der Zwei­thund braucht Zeit. Man muss auch mal getrennt raus­ge­hen, getrennt miteinan­der üben und auch getrennt an der Bindung zu dem neuen Hund arbeiten. Ver­letzt sich einer der Hunde, muss man getrennt spazieren gehen. Ebenso, wenn es sich um einen Welpen han­delt, der noch nicht so weit laufen kann, muss der Ersthund doch die Gele­gen­heit bekom­men, sich aus­pow­ern zu können. Oder wenn einer von beiden altersbedingt nicht mehr weit laufen kann, der andere aber voller Energie steckt. Wenn man alleine unter­wegs ist und sowohl links als auch rechts eine Leine in den Hän­den hält, muss man sich voll und ganz auf die Hunde konzentrieren.

 

Grundsatzfrage: Habe ich genug Zeit, um dem zweiten Hund gerecht wer­den zu können und bin ich bereit, ausreichend Zeit zu investieren?

 

Kostenfaktor

Ein Hund kosten Geld. Unter Umständen viel Geld. Und zwei Hunde kosten doppelt so viel Geld. Nicht nur kalkulierbare Kosten wie Hundesteuer, Versicherung, Futter und Zubehör, sondern auch unkalkulierbare Kosten wie Tierarztbesuche. Da steckt man einfach nicht drin. Wer mit dem Budget schon mit einem Hund am Limit ist, sollte vielleicht doch auf bessere finanzielle Zeiten warten. Man muss stets ausreichend Geld zur Ver­fü­gung haben, um hohe Tier­arztrech­nun­gen begle­ichen zu können. Ein kleines Beispiel, um die hohen Kosten deutlich zu machen: In unserer Gemeinde bezahlen wir 108 EUR Hundesteuer für Kai-Uwe. Ein zweiter Hund kostet keinesfalls nochmal genauso viel. Nein, dieser liegt bei satten 192 EUR. Also fast doppelt so viel.

 

Grundsatzfrage: Habe ich genug Geld, um den Hund ver­sor­gen zu kön­nen?

 

Fazit

Kai-Uwe ist mein Ein und Alles und alles was ich möchte ist, dass er ein glückliches Hundeleben hat. Aber mein Herz schlägt genauso für all die armen Hundeseelen, die voller Hoffnung im Tierheim auf ein neues „Für-immer-Zuhause“ warten. Und ich habe mir gesagt, wenn ich es eines Tages kann, dann möchte ich noch einem weiteren Vierbeiner die Chance auf ein schönes Zuhause und auf ein besseres Leben bieten.

 

ABER: Es muss passen.  Ich würde schauen, dass sich vielleicht ein Hundemädchen im gleichen Alter oder eine ältere, ruhige Hundedame findet, die einen genauso ruhigen und ausgeglichenen Charakter wie Kai-Uwe hat. Ein junger oder sehr aktiver Hund, der ihn die ganze Zeit zum Spielen animiert und action möchte, würde ihn sicher unendlich nerven. Und ich bin mir sicher, dass er sich über einen weiblichen PAWtner in cime mehr freuen würde als über einen männlichen ;-)

 

Ich denke, dass Kai-Uwe seinen Mitbewohner/seine Mitbewohnerin zwar akzeptieren und friedlich und zufrieden mit ihr/ mit ihm bei uns leben würde aber dass keine große Hundefreundschaft daraus entstehen würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kai-Uwe eines Tages anfangen würde, mit dem Zweithund zu spielen und eine enge Bindung zu ihm aufbauen würde. Ich denke, beide Hunde würden einfach zufrieden nebeneinander her leben und dass Kai-Uwe immer der Kontakt und die Bindung zu seinen Menschen wichtiger wäre als zu einem anderen Hund.

 

Und einen perfekten Zeitpunkt gibt es aus meiner Sicht nicht. Man sollte darauf achten, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. Das kann schon nach kurzer Zeit oder auch erst nach vielen Jahren der Fall sein.

 

Zwei Hunde bedeuten dop­pelt so viel Zeit und erfordern eine genaue Struk­tur. Natür­lich bedeuten zwei Hunde auch dop­pelt so viel Spaß, Freude und dop­pelt so viel Liebe im Haus. Besonders schön ist es natürlich, wenn beide Hunde ein Herz und eine Seele, ein Team und die besten Freunde werden.

 

Wie geht es Euch mit dem Thema? Habt ihr schon mal über einen Zweithund nachgedacht?

 

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