· 

Wie Paul zu uns kam

Viele wollten wissen, wie es dazu kam, dass wir noch einen weiteren Hund adoptiert haben. Deshalb möchte ich Euch in diesem Beitrag Paul‘s Geschichte erzählen.

 

Wie alles begann…

Mein Mann und ich hatten schon länger beschlossen, dass wir auf jeden Fall eines Tages einen zweiten Hund möchten. Bzw. ehrlich gesagt war es eher mein Wunsch, er sagte aber, er würde dahinterstehen und die Entscheidung mittragen. Nur noch nicht jetzt, sondern vielleicht in 1 bis 2 Jahren und vielleicht mit der Option, dass ich dann meine Arbeitszeiten etwas reduziere, um für die zwei Fellnasen da sein zu können. Unser zweiter Hund sollte definitiv wieder aus dem Tierschutz kommen, in Kai-Uwe’s Alter oder etwas älter, vielleicht eine ältere Labbidame sollte es sein.

 

Meist kommt es anders als geplant

Eines Mittags sah ich auf Facebook bei den „Labradoren und Retrievern in Not“ die Anzeige von Cody. Einem schwarzen Labrador, der unglaublich traurig in die Kamera schaute und auf einem kurzen Video regelrecht an der Sheltermitarbeiterin klebte, seine Schnauze ganz fest an sie drückte und förmlich bei ihr um Liebe und Zuwendung bettelte. Ein zuckersüßer Kerl. Schnell teilte ich den Beitrag und fragte, wer ein freies Körbchen für diese herzallerliebste Knutschkugel frei hat.

 

Abends auf dem Sofa trug sich dann folgende Konversation zwischen mir und meinem Mann zu:

 

Chris:    Boah, der Cody ist ja süß.

Ich:        Ja, zuckersüß.

 

…es folgte eine kurze Pause…

 

Chris:    Der ist ja genauso verschmust wie unser Kai-Uwe.

Ich:        Ja, das ist er.

 

…es folgte wieder eine kurze Pause…

 

Chris:    Hat der schon ein neues Zuhause gefunden?

Ich:         Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon, sein Beitrag wurde ja so oft geteilt und kommentiert.

Chris:    Aber wissen tust dus nicht?

Ich:        Nein.

Chris:    Willst du nicht mal anfragen, ob er schon Interessenten hat?

Ich:        Nee, wieso soll ich das machen?

Chris:   Ja weil der voll süß und toll ist.

Ich: (leicht sauer) Aber wir wollen doch jetzt noch keinen zweiten Hund. Wieso soll ich da anfragen und falsche Hoffnungen schüren?

Chris:    Naja vielleicht wollen wir ja doch jetzt schon einen zweiten..

Ich:         Hä? Du – der eigentlich noch warten wollte – würdest doch jetzt schon einen zweiten wollen?

Chris:    Naja, eigentlich wollte ich noch warten aber.. Der ist so süß und würde so toll zu uns passen..

Ich: (freudig) Wenn du das wirklich ernst meinst, dann frage ich gerne mal an.

Chris:    Ja… Wenn einer gut zu uns passt, dann er. Und wenn er jetzt ein Zuhause sucht, dann eben schon jetzt – Wozu noch warten :-)

 

Und so fragte ich an… Es verging für mich als ungeduldiger Mensch ein quälend langer Tag.. Und am nächsten Abend erhielt ich die Rückmeldung, dass der süße Cody leider erst eine Anfrage erhalten hat und sie sonst noch kein Interessent für ihn gemeldet hatte. Das war übrigens die Anzeige:

 

 CODY

 

Vor Monaten bereits hatte ihn sein Besitzer bei unserem Tierarzt in Navodari abgegeben. Er hat nur leider vergessen, ihn wieder abzuholen. Unserern wunderschönen Labrador CODY.

 

Seit dem wartet Cody in unserem Nisipari-Shelter auf eine neue Familie. Menschen, die ihn für den Rest seines Lebens bei sich aufnehmen und ihm zeigen, wie ein Hundeleben auszusehen hat.

 

Cody ist gute 4 Jahre alt, um die 60 cm groß und ein selten freundlicher, liebevoller und zärtlicher Hund. Cody kann sehr gut als Prinz in seiner neunen Familie leben. Er liebt seine Menschen über alles.

 

Als Gea gestern seinen Zwinger verlassen wollte, hat er sie kaum gehen lassen. Und schaut bitte mal ins eine Augen. Sie sprechen Bände und erzählen und ganz genau, was Cody sich wünscht.


 

Liebe auf den ersten Blick

Was für ein toller Kerl.. Und er war noch zu haben. Perfekt! Aber.. er saß noch in Rumänien… Nicht optimal aber kein Problem. Cody war einfach toll… Dann fahren wir eben ein langes Wochenende mit Kai-Uwe nach Rumänien, um Paul persönlich kennenzulernen. Dachten wir uns in unserem naiven Leichtsinn.. Rumänien war ja auch gleich da „irgendwo hinter Kroatien“, so weit kann das ja nicht sein. Ich googelte die Streck und dann der Schock: über 2.000 km. Boah. War doch nicht gleich hinter Kroatien…

 

Was nun?

Nun kam eine leichte Unsicherheit in uns auf… War es eine kluge Entscheidung, einen Zweithund zu adoptieren, den man vorab nicht vom Ersthund beschnüffeln lassen konnte? Wenn Cody ein Mädchen gewesen wäre, wären unsere Bedenken nicht so groß gewesen. Aber bei zwei Rüden ist das Risiko, dass es nicht klappt schon etwas höher. Schwierig. Ich beratschlagte mich mit der lieben Dame, die die Vermittlung von Deutschland aus betreute. Sie selbst hat immer mehrere eigene Hunde plus einige Pflegehunde. Sie sagte mir, dass es bei ihr nie ein Thema sei und die Hunde sich nach einer Eingewöhnungszeit finden und es bisher immer gut gegangen ist. Wir waren etwas beruhigter und vereinbarten einen Termin zur Vorkontrolle bei uns zuhause. Wir fragten die nette Dame, die die Vorkontrolle bei uns machte, ob sie es kritisch sieht, ungesehen einen weiteren Rüde zu adoptieren. Sie selbst hat auch mehrere Hunde zuhause und sagte uns, wir sollen uns nicht so viele Gedanken machen, da ja beide kastriert sind. Erfahrungsgemäß sollte es da wirklich keine Probleme geben. Auch diese Aussagen beruhigten uns. Und noch dazu muss ich auch sagen, dass wir einfach vom ersten Moment an wieder das gleich, super gute Bauchgefühl bei der Sache hatten, wie bei Kai-Uwe. Wir glauben ja, dass alles so kommt, wie es soll. Und da wir beide unabhängig voneinander sofort hin und weg von Cody waren und er trotz so vieler Kommentare noch keine Interessenten gefunden hatte, sollte es wohl einfach so sein, dass genau er zu uns in die Familie finden sollte. Mit diesen Tatsachen motivierten wir uns gegenseitig die Wochen über, die wir noch warten mussten, bis Cody zu uns reisen durfte. Bis zu seiner Reise schickte uns die Tierschutzorganisation wöchentlich Bilder und Videos von unserem Schützling. Das war wirklich schön – Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

 

Der große Tag…

Am 26. Januar war es dann endlich so weit.. Cody packte am schon Freitag in der früh seine Köfferchen und machte sich auf seine lange Reise zu uns nach Deutschland. Gegen 19:30 Uhr sollte er an einer Autobahnraststätte nahe Esslingen ankommen und von uns abgeholt werden. Der Transport erfolgte über den „Road trip to happiness“ und was ich richtig toll fand war, dass es einen „Transport-Chat“ mit allen Adoptanten gab. Von Freitag früh als der Transport in Nisipari, Rumänien startete, wurde man regelmäßig über den Chat über die Wetterlage und damit verbundene Verspätungen, Stau und die aktuellen Treffpunkte informiert. So wusste man immer, wo sich der Transport gerade befindet und mit welcher Verspätung gerechnet werden musste. Da sich der Transport in Rumänien durch ein dichtes Schneetreiben kämpfen musste, schlichen sic schnell die ersten 1,5 bis 2 Stunden Verspätung ein. Wir sollten also statt um 19:30 Uhr erst um 21:00 Uhr in Esslingen auf unseren Cody warten. Gegen 20 Uhr fuhren wir los und waren pünktlich am Treffpunkt. Wir warteten und warteten und gegen 21:30 Uhr war es dann endlich so weit: Der Road trip to happiness bog ums Eck. Cody war der einzige, der an diesem Treffpunkt seiner neuen Familie gegeben wurde. Wir gaben der lieben Fahrerin unser Geschirr und unsere Leine und sie verschwand damit im Transporter. Kurze Zeit später ging die Tür auf. So ein schöner Moment! Zum ersten Mal sahen wir die süße Knutschkugel persönlich. Allerdings war Cody sehr ängstlich. Er saß wie erstarrt im Transporter und bewegte sich kein Stück. Mit großen Augen guckte er raus und wollte sich gar nicht rühren. Mit gutem Zureden und einem leichten Zug an der Leine lief er vor unseren Kofferraum. Chris setzte ihn rein und er legte sich unterwürfig in die hinterste Ecke des Kofferraums und bewegte sich wieder nicht mehr.

 

Eine der Fahrerinnen sagte uns, dass es ihm gar nicht gut gehen würde. Die Strapazen der langen Fahrt über fast 2 Tage hatten Cody sehr gestresst und hatten ihm auf den Magen geschlagen. Er hatte auf dem Transport Durchfall und musste sich öfter übergeben. Na kein Wunder, dass er wie ein Häufchen Elend in unserem Kofferraum lag. Armer Schatz. Wir sollten ich zuhause vorerst al nur Schonkost in Form von Reis und Möhrchen geben.

 

Aber zuerst hatten wir ja noch eine gute Stunde Heimfahrt vor uns. Die Fahrt war ruhig und wir hörten nicht viel von Cody. Aber wir rochen ihn. Und wie. Der kleine Stinker roch wirklich ganz übel und wir mussten trotz eisiger Temperaturen mit offenen Fenstern fahren. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie er gestunken hat…

 

Zuhause angekommen bleib ich mit Cody draußen und Chris holte Kai-Uwe. Der war vermutlich erst mal eifersüchtig, mich mit einem anderen Hund stehen zu sehen und verbellte Cody ordentlich. Danach war aber Ruhe und wir konnten ohne Probleme eine kleine Runde mit den beiden laufen. Schon unterwegs versucht Cody jede noch so kleine Pfütze auszuschlecken. Daheim angekommen durften beide ins Haus, was von Kai-Uwe’s Seite auch gar kein Problem war und Cody schlabberte erst mal einen ganzen Wassernapf leer. Der Arme war sicher von der Übelkeit total ausgetrocknet. Im Wohnzimmer war Cody’s Geruch noch unerträglicher als im Auto und er schien sich sichtlich unwohl in seiner Haut zu fühlen. Also stand als erstes eine Dusche auf dem Programm. Nach dem kleinen Wellness-Ausflug unter die Dusche schien Cody sich pudelwohl zu fühlen. Zufrieden drückte er sich zum Kuscheln im Wohnzimmer an uns und rollte sich über unseren flauschigen Teppich. Jetzt war noch Abendessen angesagt – als Solidarität bekam Uwe ebenfalls Reis mit Möhrchen. Und danach ging es auch schon direkt ins Bett – mittlerweile war es schon weit nach Mitternacht. Wir haben uns entschieden, die beiden Hundis ausnahmsweise mit zu uns hoch ins Schlafzimmer zu nehmen. Schließlich hatten wir sie ja erst vor wenigen Stunden zusammengeführt und man weiß nie… Kai-Uwe bekam sein Körbchen also auf die Seite von Chris und Cody’s Körbchen haben wir vor meine Bettseite gestellt. Die Nacht war sehr friedlich aber laut… Denn Cody sägt wie ein alter Schnarchzapfen.

 

Am nächsten Tag gab es nochmal Schonkost, tolle gemeinsame Spaziergänge und ganz viele Streicheleinheiten für den liebebedürftigen Cody. Er rollte sich zufrieden über unseren Teppich und streckte alle Viere von sich. Er schien sich schon ganz gut vom Transport erholt zu haben und wohl bei uns zu fühlen. Willkommen in der Familie, kleiner Cody. Ähm. PAUL. Da er auf „Cody“ so gar nicht reagiert hat, haben wir ihn in Paul umbenannt :-)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0